Zum Hafen des Kaisers
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ine Museumsfahrt mit der ELBE 1
vom 01.-04. Juli 2010
zum Wochenende an der Jade
nach Wilhelmshaven

Ein Reisebericht von Uwe Wensauer
mit Fotos von © Sabine Reimann


Einfahrt in Schleuse
Passage der Kaiser-Wilhelm-Brücke
DAR MLODZIEZY passiert Kaiser-Wilhelm-Brücke
Feuerschiff WESER
Anlegen am Bontekai
Anlegemannöver
Großsegler
Gewässerschutzschiff MELLUM
Blick auf Gewässerschutzschiff MELLUM
Doughnut im Hafen
ELBE 1 von oben
Unbemanntes Feuerschiff UFS 4
Besucherstrom
Hundebar "Zur Pfote"
Sonnenuntergang im Watt
Kaiser-Wilhelm-Brücke bei Nacht
UFS4 bei Nacht
Seenotkreuzer
HERMANN HELMS
Bontekai bei Nacht
Ablegen am Bontekai
Gen Heimat!
ATLANTIS ist schneller
Leuchtturm im Auge
Leuchtturm Mellumplate
Leuchtturm voraus
Leuchtturm Roter Sand
Leuchtturm Alte Weser
"Füerschipper-Patent"

Vorbereitungen
Lange bevor eine Museumsfahrt beginnen kann, muss an das leibliche Wohl der Gäste und Crew gedacht werden. So ist es nicht verwunderlich, wenn mehrere Male ein Bollerwagen und Schubkarren, voll beladen mit Lebensmitteln vorbei an den Se(h)leuten an der Alten Liebe in Richtung des Schiffes von Crewmitgliedern gebracht werden. Zwangsläufig kommt es dann zum immer wiederkehrenden Dialog "habt Ihr eine Feier?" "… wußte gar nicht, daß das Schiff fährt. Kann man da mitfahren?" Die Antworten sind dann …. "Wir machen eine Reise nach Wilhelmshaven, ja man kann mitfahren, nein es ist keine Spaßtour der Crew, wir unterhalten das Schiff mit Hilfe der Gästefahrten, der Verein hat über 300 Mitglieder, wir fahren noch in diesem Jahr mehrere Male nach Helgoland, einmal nach Büsum und Bremerhaven und ja, man kann vor einer Fahrt an Bord übernachten, um am folgenden Tag die frühe Abfahrt nicht zu verpassen." Obwohl ein Kassenhäuschen an der "Alten Liebe" und eine Webseite www.feuerschiff-elbe1.de vorhanden sind, wundert man sich schon, warum diese Informationsquellen nicht genutzt werden. Vorschriften verlangen, daß vor dem Antritt einer Reise einige Formalitäten erfüllt werden müssen. So erhalten alle Passagiere eine sogenannte Verzehrkarte und alle, einschließlich der Crew, werden namentlich erfaßt. Dies geschieht übrigens auch bei jeder Reise im Flugzeug.

Die Reise beginnt
Nachdem alle Passagiere an Bord sind, kann das Schiff von seiner Umklammerung an den Dalben gelöst werden und das Ablegen kann beginnen. "Achtung Typhon" ist von der Brücke zu hören. Diejenigen, die die Lautstärke des Typhons kennen, halten sich die Ohren zu, die anderen zucken zusammen wenn die 3 kurzen Töne ertönen. 3-mal kurz bedeutet, dass sich das Schiff rückwärts bewegt. Langsam wird der Abstand zu den Dalben immer größer. "Achtung Typhon" hört man erneut von der Brücke - nein - dieses Mal ein langer Ton. Damit wird anderen Schiffen signalisiert, daß wir aus dem Hafen herausfahren wollen. Parallel dazu wird die Revierzentrale auf UKW über das Vorhaben informiert unter gleichzeitiger Nennung des Zielhafens und der Anzahl der Passagiere an Bord. Zuvor wurde dies bereits in die AIS Anlage eingegeben. (AIS: Automatic Identification System; ein automatisches Identifikationssystem). Es ist ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Daten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Seit Mitte 2008 sind alle Berufsschiffe über 300 BRZ in internationaler Fahrt bzw. über 500 BRZ in nationaler Fahrt verpflichtet, eine AIS-Anlage zu betreiben. Auch Schiffe, die länger als 20 m sind oder mehr als 50 Passagiere an Bord haben, müssen mit einer AIS-Einheit ausgerüstet sein. Die Elbe1 hat übrigens eine Wasserverdrängung von 1000 t. Auch von Zuhause können Sie den weltweiten Schiffsverkehr und somit auch den der Elbe1, über www.marinetraffic.com am heimischen PC verfolgen. Zunächst ging es die Elbe abwärts, entgegen der auflaufenden Tide, immer am Tonnenstrich entlang. Mehrere Male passierten uns Schiffe auf dem Weg nach Hamburg oder zum Kiel- Kanal. Es kommt vor, daß bekannte Lotsen an Bord sind und sich diese entweder über UKW oder was bei Handelsschiffen nicht so üblich ist, mit dem Typhon (3 x lang) begrüßen. Wiederum bestätigt sich, daß Seeluft hungrig macht und so ist es nicht verwunderlich, daß die ersten belegten Brötchen, schneller verzehrt werden, als die fleißigen Hände der ehrenamtlich Tätigen, sie bereitstellen können. Alle Passagiere machen es sich auf dem Oberdeck bequem und genießen die herrliche Luft und den Blick bis zum Horizont. Das mag auch daran liegen, daß nur eine mäßige Brise weht und die See spiegelglatt ist. Kaum mit dem bloßen Auge sichtbar, fahren wir am Scharhörn, einer nur wenigen Meter aus dem Meer hervorschauende Vogellinsel vorbei, bis wir nur noch rundum von der Weite der See umgeben sind.

Etwas Navigation
Oft wird gefragt, warum man solch einen Umweg fährt und nicht geradlinig bis zur Mündung der Jade fahren kann. Unsere Elbe1 hat einen Tiefgang von 4,70 Meter. Mit einem Blick auf die Seekarte kann man dann anhand der Wassertiefen und Tidenkalender erklären warum so gefahren werden muss. In der Zwischenzeit haben wir die Wesermündung durchquert. Mit dem Fernglas konnte man gut die Leuchttürme Roter Sand, Alte Weser und in der Jade Melumplate ausmachen.

Einlaufen in Wilhelmshaven
Nun fahren wir bei auflaufendem Wasser mit zunehmender Geschwindigkeit in die Mündung der Jade. Trotzdem werden wir nicht die reguläre Schleusenzeit in Wilhelmshaven erreichen und so wurde der Schleusenwärter über Funk gebeten bei der nächsten Schleusung auf uns zu warteten. Um dies einigermaßen einhalten zu können, wurde der Gashebel auf dem Tisch gelegt, was soviel bedeutet wie maximale Geschwindigkeit erkauft mit maximalem Treibstoffverbrauch. Gespannt wird am GPS die zunehmende Geschwindigkeit verfolgt und spekuliert, welche Maximalgeschwindigkeit wir wohl erreichen würden. Diese pendelte sich bei 11 kn ein. (1 kn (Knoten) =1,852 km/ Stunde) Bei der Einführung des metrischen Systems wurde der nominelle Erdumfang (Meridiankreis) als 40.000 Kilometer definiert. Aus der Rechnung (40.000 km / 360 Grad des Vollkreises) / 60 Bogenminuten ergibt sich als theoretisches Maß der Seemeile eine Länge von genau 1851,851 m. Vorbei an der Großbaustelle des Tiefwasserhafens erreichten wir dann die Schleuse mit einer Verspätung von 20 Minuten. Die riesige Schleusenanlage, erstmalig zu Kaisers Zeiten aus dem Boden gestampft und völlig zerstört im letzten Krieg, wurde für die Bundesmarine erneut aufgebaut. Gleichzeitig können mehrere Schiffe, auch mit größeren Abmessungen, geschleust werden. So lagen vor uns die holländischen Großsegler Mercedes, Artemis und Morgenster. Die kleineren Sportboote kamen sich bestimmt wie verloren vor. Der Schleusvorgang dauerte eine gute halbe Stunde und dann ging es vorbei am Marinearsenal wo zahlreiche Fregatten, Zerstörer und andere Schiffe der Bundesmarine lagen. Weiter ging es an der zur Seite gefahrenen Kaiser-Wilhelm-Brücke vorbei zum Bontekai. An der Backbordseite standen einige Kameraden mit nachdenklichem Blick und betrachteten die "Mölders", auf der sie einmal ihren Dienst geleistet hatten. Jetzt liegt der Zerstörer, wie ein alter ergrauter Hofhund an der Kette mit einem U-Boot vor dem Marinemuseum. Unser zugesagter Liegeplatz am Bontekai war noch besetzt und so mussten wir neben dem unbemannten Feuerschiff UFS 4 im Hafenbecken warteten bis wir anlegen konnten. Ohne Bugstrahlruder ist dies nicht ganz so einfach. Problematisch sind solche Manöver deshalb, weil sich gleich eine Menschenmenge ansammelt und diese keine Ahnung von den Abläufen beim Anlegen haben. Zuerst wird eine Wurfleine geworfen und man hofft, daß man keinen der Neugierigen mit dem schweren Ball unbeabsichtigt trifft. Mit dieser wird dann die wesentlich dickere Leine an Land über einen Poller gelegt und dann vom Schiff aus gestrafft. Kaum war das Schiff fest und die Gangway befestigt, wollten schon die ersten Besucher an Bord. "Open Ship" war erst am folgenden Tag. Zuerst mussten unsere Passagiere von Bord. Auch wir benötigten eine Ruhepause nach einer fast 9 stündigen Fahrt. Nach einem traditionellen "Einlaufbier" gab es dann ein schmackhaftes, vielseitiges Abendbrot für die Crew und die Passagiere, die über die gesamte Reise an Bord bleiben wollten. Die Fußballweltmeisterschaft war das allgemeine Gesprächsthema, so beschlossen die Fußballfans, eine der naheliegenden Großraumveranstaltungen aufzusuchen. Dort war es derart voll, dass sie keinen Zugang erhielten und zum Schiff zurück kamen. Die weniger Fußballbegeistertenbesuchten die Festmeile oder beobachteten den Publikumsverkehr, der vorbeischlenderten Menschenmassen, die deutlich zunahm als das Fußballspiel zu Ende war. Die Fußballfans unter ihnen waren kaum zu übersehen, freudig, lautstark, bunt geschminkt und - friedlich. Bisher war ich schon auf vielen solcher Feste und so war ich überrascht, auch einmal etwas Neues zu entdecken. Nein - keine neue Bierbude, keine Würstchenbude - es war die Hunde-Bar "Zur Pfote". Dort gab es für die 4-Beiner für den großen Durst etwas zu trinken und einen kleinen Snack dazu. Das hatten bestimmt nicht nur die Hunde für gut befunden, mancher Passant fand die Idee einfach super. Die Temperaturen entsprachen dem des Mittelmeerraumes und der Getränkeabsatz war dementsprechend hoch. Eine zeitweise Abkühlung kam dadurch zustande, dass wenn das Feuerlöschboot einen Wassernebel herniederregnen ließ und dieser die Festmeile erreichte. Noch bis weit in die Morgenstunden hörte man, besonders diejenigen, die zur Landseite an Bord wohnten und ihre Kammer dort hatten, das Tuten der Vuvuzuelas und das Gejohle der immer noch feiernden Fans.

Die Rückfahrt
Pünktlich gab es am folgenden Tag das Frühstück und es war noch einmal Zeit, um über die langsam erwachende Festmeile zu schlendern. Dann begannen die Vorbereitungen zur Rückfahrt nach Cuxhaven. Wie schon bei der Ankunft, nur in umgekehrter Reihenfolge begann es mit "Leinen los", ein letzter Blick auf die Festmeile, vorbei am Marinemuseum , der Kaiser-Wilhelm-Brücke, bis zur Schleuse. Im Sportboothafen versammelten sich gerade die Kanuten für einen Sonntagsausflug. In der Schleuse trafen nach und nach immer mehr Segler und Sportboote ein, um ebenfalls ausgeschleust zu werden. Wie schon bei der Anreise hatten wir fast Windstille und eine spiegelglatte See.

Kurzweil an Bord
Präpariert mit reichlich Sonnenschutz wurden individuelle Plätze an Bord aufgesucht, um sich in der Sonne auszuruhen, dem langsam am Horizont entschwindendem Hafen zu betrachten oder schlichtweg die Fahrt zu genießen mit einem kühlen Getränk oder einem Buch in der Hand. So kann die Seefahrt Spaß machen. Wer sich geistig betätigen wollte, konnte die Fragen des "Füerschipper Patent" beantworten oder auf die Brücke kommen, um sich selbst die Frage beantworten zu können, wo sich das Schiff zurzeit befindet. Mit einem Schnellkurs in Navigation konnte dies mit Hilfe der Brückencrew beantwortet werden, nachdem man am Kartentisch in die Geheimnisse von Länge und Breite, den Fahrwassertonnen und dem Unterschied zwischen Knoten, Seemeilen und Kilometern gelernt hatte.

In heimatlichen Gewässern
In der Ferne sieht man 9 Ankerlieger auf Reede. Diese Schiffe warten auf Charter oder auf einen Liegeplatz im Hamburger Hafen. Ganz in der Nähe ziehen einige Schweinswale, fast unbemerkt, ihre Bahnen, sie sind schneller als wir. Aus dem Dunst der nahen Küste kann man immer deutlicher die Insel Neuwerk, den Strand vor Döse und Duhnen erkennen. Dort wie Luftballons anzusehen, schweben viele Paragleiter in luftiger Höhe über dem Strand. Langsam macht sich eine stetige Unruhe bemerkbar, denn die Reise geht ihrem Ende entgegen. Die Passagiere sammeln ihre Sachen zusammen und können es kaum erwarten, von Bord gehen zu können. Doch zuvor muss das Schiff am Liegeplatz fest gemacht werden. Alle Passagiere werden aufgefordert die Anlegeseite zu räumen, was teilweise mit Unverständnis oder erst nach wiederholter Aufforderung befolgt wird. Dies ist keine Schikane der Crew, es ist zum Einen Fürsorge und räumt den erforderlichen Platzbedarf für das Anlegemanöver. Wenn das Schiff fest an seinem Liegeplatz liegt, können die Passagiere von Bord gehen. Die Besatzung setzt sich noch zu einem "Einlaufbier" zusammen um noch einmal die Reise Revue passieren zu lassen.

Auf dem Terminkalender 2010 stehen noch die Museumsfahrten nach Bremerhaven zur "Sail", nach Büsum zur "Kutterregatta" und einige Museumsfahrten nach Helgoland. Erleben Sie das Berichtete doch selbst! Fahren Sie doch einmal mit!