Mit der ELBE 1
von der Elbe an die Ems
Ein Reisebericht von Uwe Wensauer
Fotos: © Antje Holst-Grotstück

 

 

Wenn Sie den Bericht der ersten Borkum-Reise gelesen haben (wenn nicht, dann einfach hier klicken), dann könnte der Eindruck entstanden sein, dass solch eine Reise ein reines Vergnügen sein muss. Dass es dazu Varianten gibt, soll im Folgenden beschrieben werden.

Wie auch bei der vergangenen Reise ging es in den frühen Morgenstunden wieder los. Auf Reede lagen wieder etliche Ankerlieger - wie bisher. Der gravierende Unterschied war dann zu bemerken, als wir die ehemalige Position vom "Feuerschiff Elbe1" etwa 54° N und 8° E passierten. Schleichend langsam machte sich eine immer stärkere Dühnung bemerkbar und der Wind nahm an Stärke immer mehr zu. Aus der leichten Dühnung entwickelten sich immer höhere Wellenberge in die unser Schiff immer wieder eintauchte und das "Versaufloch" unter Wasser setzten. Das sogenannte "Versaufloch" (aus dem Niederdeutschen - versaufen- ertrinken) ist ein nicht überbauter Bereich zwischen dem Vorschiff und der Brücke in der das sonst vorhandene Schanzkleid fehlt, um bei Überspülungen schnell wieder ablaufen zu können.

Das Barometer fiel weiter. Der Windanzeiger kam immer näher der 6 bft Marke und schnellte auch ab und zu bis auf 7-8 bft. Die Beaufortskala wurde übrigens 1806 von Sir Francis Beaufort entwickelt und ihre Einheit trägt daher auch dessen Namen Beaufort, abgekürzt bft. Das von uns durchlaufene Sturmtief vertiefte sich übrigens auf dem Weg nach Osten und tobte mit bis zu 8 Bft danach in der Ostsee. Mehr zum Thema Windstärken findet man bei http://www.anhinga.de/beaufort.htm

An Bord ist es nicht einfach, die Wellenhöhe abzuschätzen. Jeder, der an Oberdeck war und einmal eine kräftige Seewasserdusche abbekam, erntet Gelächter von den Mitfahrern und sucht sich dann einen trockeneren Platz aus, nachdem man sich trockene Sachen angezogen hatte. Früher, als das Schiff noch auf Position lag, wurde es übrigens hermetisch verschlossen und durch ein eigenes Belüftungssystem mit Frischluft versorgt. Über den Betriebsgang konnte man alle Räume innerhalb des Schiffes trockenen Fußes erreichen.

Diejenigen, bei denen die rosige Gesichtsfarbe sich langsam in vornehme Blässe verwandelt, können sicher sein, dass sie bald von allen Seiten "wohlgemeinte Ratschläge" erhalten werden um der kommenden Übelkeit, sprich Seekrankheit zu begegnen.

Zum Frühstück finden sich dann nur diejenigen ein, die den nächtlichen Ritt durch die Wellen unbeschadet überstanden hatten. In den frühen Morgenstunden hatten wir die ehemalige Position vom Feuerschiff "Borkum-Riff" umrundet und steuerten unser erstes Reiseziel, das niederländische Emshaven an, wo wir im trostlosen Industriehafen fest machten.

Schon 15 Minuten früher als angekündigt, kam das Tankschiff um 0615 Uhr längsseits um 27000 Ltr. Diesel in unsere Tanks zu pumpen. Während der gesamten Fahrt hatte unsere Hauptmaschine bei einem mittleren Verbrauch von 80 Ltr./ Stunde rund 3000 Liter geschluckt. Die Hilfsdiesel verbrauchten immerhin 250 Ltr.. In der Nacht hatte sich der Wind etwas verringert, der immer wieder mit heftigen Regenschauern begleitet wurde. Nach dem Mittagessen legten wir wieder ab, die Ems hinab in Richtung Borkum. Das Fahrwasser in den Hafen ist recht schmal und es bedarf einer exakten Navigation und Steuerung. Im Hafen festgemacht waren wir froh, unsere Hilfsdiesel und Hauptmaschine abschalten zu können, sodass eine wohltuende Ruhe einkehrte. Unser Strombedarf wurde nun von Land abgedeckt. Während der Hafenliegezeit verbrauchten wir übrigens um die 180 KWh.

Was macht man nun in einem fremden Hafen? Richtig - Sightseeing . Auf Borkum kann man mit der Bahn oder dem Bus die 7 km vom Hafen entfernte Stadt Borkum besuchen. Im Hafen liegt die "Borkumriff" in ihrer Funktion als Museum- und Nationalparkschiff, ebenfalls ein ausgedientes Feuerschiff, das außerdem als Informations- und Bildungszentrum des Nationalparks dient. Natürlich schaute ich mir das Schiff an. Vorher hatte ich schon einen virtuellen Rundgang mit Hilfe einer Broschüre gemacht und wollte ganz gezielt einige Dinge ansehen, wie z. B. die Ankerwinde, den Maschinenraum und vor allem den Funkraum.

In der Borkumer Zeitung war ein "Open Ship" angekündigt worden. Immer mehr Besucher kamen an Bord, um das Schiff zu besichtigen. Einige wollten sich gleich zu unseren Gästen setzen, um am Büffet zuzugreifen, das inzwischen auf dem Partydeck aufgebaut war. Nachmittags gab es dann den obligatorischen "Kaffee mit Kuchen", gefolgt vom Abendbrot.

Soweit man nicht andere Pläne hat, finden sich nach dem Abendbrot nach und nach immer mehr Gäste und Besucher auf dem Partydeck ein. Je nach deren Mentalität, verläuft dann solch ein Abend gemütlich oder wie bei dieser Reise, endet dieser in einer großen Bordparty. Ein Gast brachte eine Menge CDs mit, die großen Anklang fanden und es dauerte nicht lange bis die Ersten zu tanzen anfingen und lautstark mitsangen, soweit der Text bekannt war. Erst in den frühen Morgenstunden suchten einige Gäste ihre Kojen auf und die Besucher, meist Segler, die im Hafen ihre Jacht liegen hatten, kehrten auf ihre Boote zurück.

Am anderen Tag, gegen Mittag, bei strahlend blauem Himmel, mit flauem Wind und ablaufendem Wasser verließen wir den Hafen, um auf den nächsten Törn, Borkum- Helgoland zu gehen. Entgegen dem Vortag hatten wir zunächst eine ruhige See und unsere Elbe1 pflügte in einer leichten Dühnung durch die See. Gleich am Anfang wurden wir von 2 Autotransportern überholt. Sie haben wenig Ähnlichkeit mit herkömmlichen Schiffen und mehr die Form eines Schuhkartons. Trotzdem wurden sie von den Gästen eifrig fotografiert.

Uns entgegen kamen dagegen einige Schweinswale. Sie sind mit den Delfinen verwandt. Besonders charakteristisch ist die Form des Kopfes und der Zähne. Mit Körperlängen bis 2,5 m gehören diese Tiere zu den kleinen Walen. Die Kiefer enthalten bis 120 spatelförmige Zähne. Die Finne ist oft dreieckig und sitzt hinter der Rückenmitte, lediglich der Glattschweinswal hat keine Finne. Langsam setzte die Dunkelheit ein. In der Ferne konnte man die Lichter der Inseln und deren Leuchttürme ausmachen. Zuerst rätselten wir über eine Gruppe von sehr hellen, orangefarbenen Lichtern. Es stellte sich heraus, dass dies der neue Windpark Alpha Ventus werden soll. Der Standort befindet sich ca. 45 km nördlich der Insel Borkum Die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit beträgt dort 10 m/s in 80 m Höhe und soll 2010 fertig gestellt sein. Er besteht aus 80 WEA Multibrid M5000 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von je 5 MW. Man hofft auf einen Ertrag von ca. 1.760 Mio. kWh/a Dort werden insgesamt 24 Pfähle für die sechs Fundamente der REpower-Windenergieanlagen gerammt. Die zylindrischen Pfähle sind zwischen 31 und 44 Meter lang und haben einen Durchmesser von 1,80 Metern. Sie werden mit einem Hydraulikhammer durch eine Schablone (Template) bis zu 42 m tief in den Meeresboden eingebracht. Ausgeführt werden die Rammarbeiten durch die belgische Spezialfirma Geosea. Zum Einsatz kommt dabei die Hubplattform "Buzzard". Weitere Informationen zu diesem ehrgeizigen Projekt findet man unter: http://www.alpha-ventus.de/

Mit einem blutroten Mondaufgang fuhren wir entlang des Verkehrstrennungsgebietes um dieses nach Anmeldung bei German Bight Approach (Kanal 80) in nördliche Richtung zu kreuzen. Man kreuzt den Fahrweg der vom Westen kommenden und der vom Osten kommenden Schiffe. Je nach Verkehrsaufkommen bedarf dies der fortlaufenden Beobachtung der Schiffsbewegungen über Funk, Radar und Fernglas. In den folgenden Stunden durchfuhren wir dieses Seegebiet und umrundeten Helgoland im Norden. Im Sonnenaufgang konnte die Wache und einige Gäste, die sich wecken ließen, die "Lange Anna" von See her bewundern. In Helgoland machten wir im Hafen gegen 0630h fest.

Die Ersten gingen dann schon von Bord, kehrten aber nach einem Morgenkaffe wieder an Bord zurück, denn Helgoland war noch nicht so richtig erwacht, denn die ersten Besucher kommen erst in den Mittagsstunden vom Festland herüber. Nach dem Frühstück gingen dann erneut die Gäste von Bord mit dem Hinweis um 1130h sich wieder an Bord einzufinden. Fast wie bei jeder Reise gibt es Nachzügler und so verzögerte sich die Abreise um eine halbe Stunde.

Eine Reise unterliegt immer dem Gezeitenstrom. Man versucht, mit ablaufendem Wasser den Hafen zu verlassen und von See her kommend, dem auflaufenden Wasser so lange wie möglich zu folgen. Hält man sich nicht an diese Zeiten, hat das zur Folge, dass sich die Reisegeschwindigkeit verringert, die Reisezeit verlängert und somit auch den Treibstoffverbrauch ansteigen lässt (pro Stunde ca. 80 Liter) Wie auch immer - mit etwas Verspätung ging es dann auf den letzten Törn von Helgoland nach Cuxhaven wo wir im Sonnenschein und angenehmen Temperaturen gegen 1700 Uhr eintrafen.

Nach dem Anlegemanöver verließen die Gäste mit einem Abschiedsgruß und Dankesworten nach einer erlebnisreichen Fahrt das Schiff. Die Crew setzte noch zu einem "Einlaufbier" zusammen und begrüßte die inzwischen eingetroffenen Familienmitglieder.

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