Zu den Ostfriesen
mit
der ELBE 1
Ein Reisebericht
von Uwe Wensauer
mit Fotoimpressionen
von unserer Bordfotografin
© Antje Holst-Grotstück
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Wieder war es einmal so weit. Eine Reise mit dem Feuerschiff stand unmittelbar bevor. Eine Reise von Cuxhaven, an der ehemaligen Position der Elbe1 vorbei, Querung der Wesermündung und dann immer entlang der ostfriesischen Inseln bis nach Borkum. Zurück ging es, vorbei an den Leuchttürmen Roter Sand, Alte Weser zur Insel Helgoland und dann nach Cuxhaven weiter. Doch bevor es losgeht, waren umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. So musste ausreichend für Proviant und Trinkwasser wie auch für Bettwäsche gesorgt werden. Bereits in den späten Abendstunden kamen die ersten Gäste an Bord und richteten sich in den zugeteilten Kammern ein. In aller Frühe, bei ablaufendem Wasser, um 03:00 Uhr sollte die Fahrt beginnen. Auf einen noch fehlenden Passgier wollten und konnten wir nicht warten. Eine spätere Abfahrt hätte bedeutet, dass wir gegen das auflaufende Wasser fahren müssten. Dies hätte zur Folge, dass die Reisegeschwindigkeit reduziert und der Treibstoffverbrauch proportional ansteigen würde. Hinterher stellte sich heraus, dass unser fehlender Passagier schlichtweg 3 Uhr morgens mit 3 Uhr nachmittags verwechselt hatte. Leinen Los! Bereits seit 15 Minuten lief der Fahrmotor. Die Mitfahrer drängten sich an Oberdeck um das Ablegemanöver zu verfolgen. 3-mal kurz ertönte das Typhon um anzuzeigen, dass das Schiff rückwärts ablegte. Langsam passierte der Saugbagger die Hafeneinfahrt. Erst dann ging es aus dem Hafen auf die Elbe hinaus, begleitet von einem langen Signal mit dem Typhon. Rüber zum roten Tonnenstrich, erst dann konnten wir unsere 650 Pferdchen laufen lassen. Ja richtig, wir haben "nur" 650 PS. Nacheinander passierten wir die roten Fahrwassertonnen Elbe- abwärts. In der Zwischenzeit ging die Sonne über dem Horizont glutrot auf. Vorbei ging es an mehreren Schiffen die auf Reede lagen, weil sie keine Fracht hatten oder auf einen Liegeplatz in Hamburg Hafen warteten. Die alte Position der Elbe1 passierten wir in Sichtweite. Hier lag das Schiff von 1948 bis 1988 nur mit kurzen Unterbrechungen. Diese Position ist nun nur noch durch eine Tonne markiert. Ungeduldig warteten die Passagiere auf das Frühstück. Immer wieder wird beobachtet, dass der Appetit an Bord besonders groß ist. So war es für die Crew ganz normal, dass bereits zum Frühstück ausgiebig zugegriffen wurde und die gebratenen Eier nebst Speck in Windeseile vertilgt waren. Nach dem Frühstück suchten sich die Passagiere einen Sonnenplatz an Oberdeck oder gingen auf die Brücke, um zuzusehen, wie das Schiff navigiert und gesteuert wird. Mit dem Merksatz im Ohr "Welcher Seemann Liegt Bei Nanny Im Bett" passierten wir bei spiegelglatter See nacheinander in Sichtweite, doch kaum im Dunst zu erkennen, die Inseln Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und schließlich Borkum. Die Einfahrt in den Hafen von Borkum ist recht schmal und bedarf besonderer Aufmerksamkeit und Manövrierfähigkeit. Aufatmen konnten wir, als das Schiff angelegt hatte und der Hafenmeister uns mitteilte, dass ein Landanschluß zur Stromversorgung bereit gestellt wurde. Dies hatte zur Folge, dass alle Hilfsdiesel zur bordeigenen Stromversorgung abgeschaltet werden konnten, mit der angenehmen Begleiterscheinungen der Geräuschreduzierung an Bord. Außerdem brauchten dann unsere Maschinisten keine Dieselwache zu gehen. Von zahlreichen Se(h)leuten wurde das Anlegemanöver beobachtet. Sie konnten es kaum erwarten, an Bord kommen zu dürfen um sich ein weiteres Feuerschiff anzusehen zumal im Hafen bereits das Feuerschiff Borkumriff liegt. Aber erst am folgenden Tag hatten wir ein "Open Ship" eingeplant, so dass sich die trotzdem an Bord kommenden Besucher zuerst einmal, wie auch die Crew ein "Einlaufbier" genehmigten, um dann dieses in einen geselligen Abend über- gehen zu lassen. Unsere Passagiere die keinen eigenen Kojenplatz hatten, gingen von Bord um in der Jugendherberge zu übernachten. Am folgenden Tag ging es mit der Inselbahn in den 7 km entfernten Ort. Auf der Strandpromenade wehte ein ungemütlicher Wind. Wenige Zuhörer konnte man an der Orchestermuschel sitzen sehen, sodass die Sängerin mehr oder weniger nur in den Wind sang. So war es nicht verwunderlich, dass man lieber hinter dem Deich, windgeschützt durch die Einkaufspassage schlenderte. Von der edlen Boutique mit sündhaft teuren Outfits und edlem Schmuck bis zum Krimskrams aus China kann man hier alles finden, bzw. das finden, was jeder Tourist "unbedingt" braucht. Am historischen Leuchtturm an dem Marconi bereits experimentiert hatte und am alten Leuchtturm warteten mehrere Leute am Eingang. Ich hatte mir noch vorgenommen das Heimatmuseum und die Walfischzäune anzusehen, doch dies verschob ich auf den nächsten Besuch, der in 3 Wochen stattfinden sollte. Ich musste wieder zurück an Bord, denn in der Zwischenzeit war "Open Ship" und ich hatte Brückenwache. Samstagabend war eine Grillfete angesagt. Trotz der eher kühlen Temperaturen gab es ein geselliges Zusammensein, zumal noch holländische Segler an Bord kamen und besonders unseren Wacholder-Schnaps recht trinkbar fanden. Nach einer stürmischen Nacht - als ob nichts gewesen wäre, strahlend blauer Himmel, fast Windstille. Am Sonntagmorgen trafen die Gäste ein, die in der Jugendherbere übernachtet hatten um zu frühstücken und sich für die anstehende Fahrt zu stärken. Als nächstes Reiseziel sollte Wilhelmshaven angelaufen werden. Nach erneuerten Berechnungen konnte allerdings unmöglich das Eintreffen in Cuxhaven am Sonntag bis 21:00 Uhr garantiert werden, zumal der Zeitbedarf in Wilhelmshaven für das Schleusen und die Passage durch die Drehbrücke schwer kalkulierbar ist. So entschloss man sich zu einer nicht weniger attraktiven Alternativlösung, die darin bestand, die Leuchttürme Roter Sand und Alte Weser so dicht wie möglich zu passieren, um dort schöne Fotos schießen zu können. So ging es vorbei an den Inseln, wie bei der Hinfahrt bereits geschehen, nur in umgekehrter Reihenfolge. Außerdem war die Luft glasklar, was zur Folge hatte, dass die Sicht hervorragend war. Jede Insel hatte eine Wolkenhaube aufgesetzt. Die See war, trotz der vergangen Sturmnacht ruhig und der Seewetterbericht sprach von einer Wellenhöhe von 0,5 Metern, was auch wirklich zutraf. Bei einbrechender Dunkelheit erreichten wir die Insel Helgoland und gingen, weil der Hafen bereits geschlossen war, zwischen der Hauptinsel und der Düne vor Anker. Für diejenigen die zuvor in der Jugendherberge übernachtet hatten, mussten zusätzliche Schlafgelegenheiten gefunden werden. Weil die Jugendherberge in Helgoland geschlossen war, erübrigte sich auch ein Transfer an Land, obwohl man mit Sicherheit ein Hotelzimmer für den Einen oder Anderen gefunden hätte. Eine maritime Übernachtung, umgeben mit den schiffseigenen Geräuschen war auch für viele etwas Besonderes. So machte es sich unser jüngstes Reisemitglied im Innern einer Leinenrolle, wie in einem Nest bequem. Für die Crew bedeutete es eine Ankerwache zu stellen. Ich war von 02:00h bis 04:00h dabei. Die Position des Schiffes muss dabei mit Hilfe des Radars, GPS und eigener Peilungen zu den Tonnen überprüft werden. Langsam dreht sich das Schiff, verbunden mit 2 Kettenlängen (2 x 27 m) je nach Tide um den Anker. Hauptsache ist, dass der Anker hält. Sollte der Anker seinen Halt verlieren, muss die Hauptmaschine gestartet werden, um zu verhindern, dass das Schiff außer Kontrolle gerät. Die Finger des Leuchtturmes, es sind übrigens 3, drehen ständig über uns hinweg. Ich höre zu wiederholten Male den Wetterbericht vom Festland, Verkehrsmeldungen, den Straßenzustandsbericht von NDR. Dann folgen uralte Schlager, die man allerdings doch irgendwie gerne wieder einmal hört, zumal man das Ganze wie aus weiter Ferne registriert, obwohl die Insel nur wenige Stunden vom Festland entfernt liegt. Die Zeit verrinnt und man kann seinen eigenen Gedanken nachgehen, hört das monotone wummern des Diesels der die Stromversorgung sicherstellt neben anderen bereits bekannten Geräuschen. Mit viel Fantasie kann man bereits am Horizont den ersten Silberstreif erkennen, der sich nur langsam verstärkt. Meine Ablösung kommt, ohne dass ich diese wecken musste. Ich verlasse die Brücke in Richtung Koje und sehe den Sonnenaufgang nicht. Doch dieses Ereignis habe ich wiederholt bei vorangegangen Fahrten bereits erlebt. Mein Schlafbedürfnis war dieses Mal größer, denn in 2 Stunden wollten wir bereits den Anker einholen und im Hafen einlaufen. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch schlief wurde durch den Start der Hauptmaschine geweckt. Der Anker wird mit einer Ankerwinde hochgeholt und bei jedem Kettenglied, das durch die Ankerklüse läuft, gibt es ein lautes Klack-Klack. An der Ankerkette klebte etwas Sand und ab und zu große Seetang-Stränge, die man für verschiedene Dinge verwenden könnte. Die essbare Art wird in Japan oder für medizinische Zwecke verwenden. In einem eleganten Bogen und einem langen Ton vom Typhon ging es in den Hafen, nachdem sich noch eiligst ein paar Segler durchgezwängt hatten. An der Kaje fest, konnten es die ganz Eiligen kaum erwarten, das Schiff zu verlassen, um Einkäufe zu tätigen oder die Insel zu erkunden. Wiederholt wurde kund getan, dass wir pünktlich ablegen, um nach Cuxhaven, den letzten Törn dieser Reise, zu fahren. Bei fast allen Fahrten gibt es Nachzügler. Doch dieses Mal waren alle, vollgepackt mit Souvenirs und den obligatorischen zollfreien Waren, rechtzeitig zur Stelle. Erneut wird die Hauptmaschine gestartet, die Gangway und Leinen eingeholt. Nach einem Lang vom Typhon verlassen wir den Hafen und erreichen nach einer Fahrzeit von knapp 4 Stunden, wieder unseren Sommerliegeplatz an der Alten Liebe in Cuxhaven. Unsere Gäste hatten nun reichlich Zeit, um ihr Gepäck aufzunehmen und um rechtzeitig zum Bahnhof zu kommen. Wir, die Crew und der Reiseführer, tauschen noch ein paar Nettigkeiten gefolgt vom obligatorischen Einlaufbier aus und kamen zum Schluss, dass wir eine tolle Reise mit vielen Erlebnissen hatten und bestimmt zusammen eine weitere Reise im kommenden Jahr unternehmen werden. |