Ein toller Tag

oder eine Fahrt mit der ELBE 1
aus der Sicht eines englischen Besucherpaares



Am 23. Juli 2003 haben wir, während wir in Deutschland Ferien gemacht haben, ein tolles Abenteuer erlebt. Wir sind mit dem Schiff von der kleinen Hafenstadt Glückstadt auf der Elbe nach Cuxhaven gefahren. Jetzt fragt Ihr sicher: Und? Was ist da so Besonderes dran? Es fahren täglich Leute von einem Hafen zum anderen. Die Antwort ist einfach:
Wir sind auf dem größten Feuerschiff der Welt gefahren!

Bild © Iris Klempau

ELBE 1 oder "Bürgermeister O'Swald II" ist ein schöner Teil maritimer Geschichte, liebevoll restauriert und in Stand gehalten von einer Gruppe Freiwilliger. Sie gehört der Stadt Cuxhaven und ist dem “Feuerschiff-Verein ELBE 1 von 2001 e.V. Cuxhaven” zur Restauration, Wartung und als Museum übergeben worden. Sie ist ein seetüchtiges Museumsschiff und verbringt einen Teil ihrer Zeit auf See. Man kann das Schiff mit Hilfe eines Leitfadens erkunden und wenn man Glück hat, wird man am am Ende der Tour getestet. Wir hatten das Glück! Wenn man genug Fragen richtig beantwortet, bekommt man eine Urkunde mit dem Bordstempel.

Als wir die Bekanntschaft der alten Dame machten, hatte sie gerade an der Matjeswoche in Glückstadt teilgenommen und sollte nun wieder in ihren Heimathafen Cuxhaven überführt werden. Wir hatten das Glück auf dieserr Fahrt an Bord sein zu dürfen. Eine Fahrt auf einem Feuerschiff! ELBE 1 lag direkt neben dem Leuchtturm Glückstadt Nordmole (B1476)

Bild © Iris Klempau

als wir an Bord kamen. Die Fahrt sollte am Leuchtturm vorbei auf die Elbe gehen und von dort nach Cuxhaven.

 

Bevor das Schiff ablegte war Zeit für eine Tour durch dieses historische Monument. Herr Otto Prieß war seinerzeit Schiffszimmermann an Bord der ELBE 1 und hat einen großen Teil seines Arbeitslebens an Bord verbracht - so gibt es nicht viel über das Schiff, was er nicht weiß.

Wir haben eine wundervolle Stunde damit verbracht, seinen Informationen und Anekdoten zuzuhören und dabei sehr viel über das Schiff und seine Crew gelernt. Herr Prieß zeigte uns die Kabinen, die Kombüse, die Manschafts- und Offiziersmessen und auch den Maschienenraum und natürlich die Brücke und wo die Zimmermannswerkstatt war.

Erstaunlich ist, dass die Crews von damals überhaupt überlebt haben. Dieses Schiff ist das meist gerammte Feuerschiff der Welt. Sie hat 50 Havarien überlebt. Die Schlimmste geschah 1970 als ein argentinischer Frachter, die "Rio Carcarano" das Feuerschiff rammte und, um den Schiffzimmermann zu zitieren, "ihre über 8000 Tonnen gleich hier beim Maschinenraum geparkt hat". Das Schiff wurde, obwohl schwer Leck geschlagen, gerettet und sieben Monate später, nach Reparaturen die
1,6 Millionen DM gekostet haben, war sie wieder auf ihrer Station.

Wir haben die Slipeinrichtung gesehen, die es möglich macht, die Ankerkette im Gefahrfall vom Ruderhaus aus zu lösen und waren erstaunt, dass ein Schiff dieser Größe mit einem Pilzanker von nur 3000 kg an 245 Meter Kette damals auf seiner Station gehalten werden konnte.

Als Herr Prieß fragte, ob uns klar wäre, dass dieses Schiff ein Unterseeboot sein könnte, dachten wir er machte Witze. Aber dann hat er uns gezeigt, wie alle Türen, Lüfter usw. wasserdicht verschlossen werden können. Wenn alles verschlossen ist, ist das Feuerschiff beinahe so wasserdicht wie ein U-Boot.

Wir sahen die Maschine (650 PS), die das Schiff mit 10 Knoten vorwärts bewegte. Respektable Geschwindigkeit!

Unser Begleiter erklärte, dass der Brennstofftank, Frischwassertanks und Trimmtanks ganz unten im Schiff sind, um zur Stabilität des Schiffes beizutragen. Wir erfuhren, dass das Abwasser nach dem internationalen Marpol-Abkommen in einer Bordkläranlage zu 90 % gereinigt und erst dann in die See gepumpt wird.

Als nächstes sahen wir die Funkstation und die Offiziersmesse. Heute kann man in der Offiziersmesse heiraten. Und dann führte Herr Prieß uns zur Zimmermannswerkstatt. Dies war seine Welt gewesen und er erzählte uns, wie die Schiffsmanschaft hier ihre freie Zeit verbrachte. Es war der Hobbyraum und Mittelpunkt für die Schiffsmannschaft. Hier kann man auch die unverkleidete Außenhaut des Schiffes sehen, mit den genieteten Platten und die Spanten. Der Raum ist unter der Wasserlinie und wir konnten uns gut vorstellen, wie kalt es hier im Winter gewesen ist.

Anschließend wurden wir auf der Brücke Willkommen geheißen. Obwohl es ein Museumsschiff ist, ist die Brücke mit allen modernen Anlagen eingerichtet. Das Schiff ist seetüchtig, unterliegt der Aufsicht des Germanischen Lloyd und erfüllt die Sicherheitsvorschriften der See-Berufsgenossenschaft, aber man hat immer noch ein tradtionelles Gefühl an Bord.

Was für eine herrliche Tour auf diesem besonderen Schiff. Herr Prieß wusste viel zu erzählen, und man konnte deutlich merken, wie sehr er die alte Dame liebt. Vielen Dank für diesen besonderen Rundgang! Nach dieser herrlichen Führung durch das Schiff wurden wir eingeladen, in der Manschaftsmesse zu Mittag zu essen.

Herman Lohse, der 1. Vorsitzende, war auch der "Smut" dieser Reise
und hat eine herrlich Mahlzeit für uns bereit gestellt!


Bilder © Iris Klempau

Sehr bald hörten wir dann die Maschinen starten und die Crew warf die Leinen los.
Der Klang der Machinen trieb uns an Deck. Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag damit, die Leuchttürme der Elbe an uns vorbeiziehen zu sehen.

Der Aussichtspunkt an Deck über der Brücke war klasse.

Leider waren wir allzu bald in Cuxhaven, Kapitän Henry Marschlewski

hat das Schiff sicher durch die Schleuse in den Hafen manövriert und es blieb nur noch, ihm und seiner Crew ein ganz herzliches DANKESCHÖN zu sagen für einen unvergesslichen Nachmittag!

Artikel © Lighthouse Duo

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